Italien


Mario Monti und Silvio Berlusconi — zwei unterschiedlichere Typen kann man sich kaum vorstellen. Italiens Ex-Premier Berlusconi ist ein skandalumwitterter Zampano, der aktuelle Premier Monti eine vollkommen skandalfreier Wirtschaftsprofessor. Während der eine sich mit Stars und Sternchen aus dem Showgeschäft umgab und sich in seinem Dunstkreis Prostituierte und Mafiosi gleichermaßen bewegten, ist vom anderen nichts dergleichen bekannt. Monti ist die Gegenfigur zu Berlusconi. Das ist einer der Gründe für seine Popularität. Die Italiener haben genug von Eskapaden, sie wollen im Amt des Premierministers Ernsthaftigkeit am Werke sehen, Pflichtgefühl und Kompetenz. Sie wollen Monti. Zum Glück. Doch gibt es eine entscheidende Gemeinsamkeit zwischen Monti und Berlusconi. Der eine wie der andere ziehen ihre Popularität aus der Tatsache, dass sie sich als Anti-Politiker geben. Als Silvio Berlusconi 1993 in die politische Arena trat, lag das italienische Parteiensystem in Trümmern. “Mani pulite” — die Anti-Korruptionskampagne der Mailänder Staatsanwälte hatte es zum Einsturz gebracht. Die Parteien waren in den Augen des italienischen Volkes desavouiert. Auf ihren Trümmern erschien dann der Unternehmer Silvio Berlusconi. Ein Mann der Konkretion, nicht der sterilen politischen Debatten. Er inszenierte sich als neuer Mann, der ganz und gar unberührt von der Politik und besonders von den Parteien seinen Weg gemacht hatte. Das war freilich ein wohlfeiles Märchen, das keiner Überprüfung standhalten konnte. Doch die Italiener glaubten Berlusconi. Denn sie verabscheuten die Parteien. Alles Politische war ihnen suspekt. Monti ist heute aus demselben Grund bei den Italienern populär. Er gibt sich als Fachmann, ein Mann fürs Konkrete, nicht eine Mann der frucht- und endlosen politischen Streitereien. Monti ist ein Parteiloser, der sich möglichst fern von den Parteien hält. Sie würden die Lichtfigur Monti nur in die schmutzigen Niederungen des Parteienhickhacks ziehen. Er bleibt über den Parteien. Legitimiert durch eine höhere Wahrheit überstrahlt er das düstere politische Panorama Italiens. Genauso wie Berlusconi vor fast zwanzig Jahren. Was aber geschieht, wenn Monti scheitert? Dann wird sich das antipolitische Ressentiment ein neues Subjekt suchen. Möglich wäre dann folgendes Szenario: Es wird kein vernünftiger Mann wie Monti sein und auch kein unvernünftiger wie Berlusconi — sondern einer, der vorgibt, gleich mit der ganzen Politik aufzuräumen. Und das wäre tragisch.

Am Freitag tötete eine Selbstmordattentäter sechs italienische Soldaten. Das führt in Italien zu einer Abzugsdebatte. . Staatspräsident Napolitano sagt: „Es ändert sich nichts!“ Doch Ministerpräsident Silvio Berlusconi spricht von einer „transition strategy“ – Berlusconi sagt zwar, dass sei keine „exit strategy“, doch das dürfte nur ein kleiner semantischer Trick sein, um den Abzugswillen zu kaschieren.

Einen Versuch von mir und meiner Kollegin Birgit Schönau, um das Phänonem  Berlusconi zu erklären finden Sie in der ZEIT

 

Berlusconi rollt

Berlusconis Wahlkampfmaschine in Mailand ©Ulrich Ladurner

 

 

 

 

Anlässlich des G 8 Gipfels in L´Aquila eine Fotoessay zum Zustand Italiens im Sommer 2009    

 

 

 

 

Carabineriwachen

Carabinieri vor dem Mailänder Dom ©Ulrich Ladurner 2009

 

 

 

 

 

Italienische Damen

Italiensche Damen warten auf den Bus in der Altstadt vonChioggia ©Ulrich Ladurner 2009

 

 

 

Strand Chioggia

Am Strand des Badeortes Sottomarina, Chioggia ©Ulrich Ladurner

 

 

Mussolini

Ein Bild Mussolinis steht auf einem Marktstand von Chioggia zum Verkauf ©Ulrich Ladurner

        

 

 

Piazza del Duom

Domplatz in Mailand bei Nacht ©Ulrich Ladurner 2009

 

 

 

Carabinieri

Carabiniere vor dem Mailänder Dom ©Ulrich Ladurner 2009

 

 

 

 

 

Arzignano ©Ulrich Ladurner

 

1990 kamen tausende albanische Einwanderer mit einem gekaperten Frachter nach Italien. Niemand war auf diesen Massenexodus vorbereitet. Die Lega Nord gab es damals noch nicht. Sie wurde 1991 aus einem Zusammenschluss mehrere separatistischer Parteien gegründet. 1992 errang sie auf Anhieb landesweit 8,7 % Prozent der Stimmen. Damals mobilisierte sie vor allem gegen Rom. „Roma ladrona-Rom die Diebin“ war ihre beliebter Schlachtruf. Einwanderer war noch keine wirkliches Thema für die Partei. Doch nur wenige Jahre später rückte die Lega Nord unter ihrem Chef, Umberto Bossi, die Immigration in das Zentrum ihrer Politik. Damit machte sie Stimmung und gewann Stimmen. Bossi tat den berüchtigten Spruch: „Man muss mit Kanonen auf diese Schiffe schießen!“ – gemeint waren die Boote, die illegale Einwanderer nach Italien bringen.

Das Bild zeigt eine Wahlkampfveranstaltung der Lega Nord in der  reichen norditalienischen Stadt Arzignano. Diese Stadt war jahrzehntelang fest in der Hand der Mittelinksparteien. 2009 aber fiel sie in die Hände der Lega Nord und des mit ihr verbündeten „Popolo d´Italia“ von Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Die Lega Nord gewann in Arzignano 33,9 Prozent der Stimmen.

Auf dem Plakat steht: „Wir haben die Invasion aufgehalten!“

Arzignano2©Ulrich Ladurner

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Meine neues Buch spielt in einem kleinen Ort namens Solferino. Dort fand vor 150 Jahren eine Schlacht statt, die für die Menschheitsgeschichte von großer Bedeutung ist. Die Schlacht von Solferino führte zur Gründung des Roten Kreuzes. Für das Haus Habsburg markiert Solferino den Beginn eines langen Abstieges, für Italien den Weg zur Einheit und Freiheit. Anlass für das Buch war unter anderem das Tagebuch meines Urgroßvaters, der an der Schlacht als einfacher österreichischer Soldat teilgenommen hat.