August 2009


Soldat, Afghanistan

Truppenübungsplatz in Bamiyan @ulrich Ladurner, Bamiyan, Afghanistan, 2007

Us-Präsident Barack Obama hat den Afghanistankrieg zu seinem Krieg gemacht. Er nennt ihn einen „war of necessity“, im Gegensatz zu Irakkrieg, der für ihn ein „war of choice“ ist. Eine seiner ersten außenpolitischen Amtshandlungen bestand folgerichtig darin, 17.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Das ist gerade mal drei Monate her. Jetzt fordert Admiral Mullen, der höchste Militär der USA, eine weitere Aufstockung der Truppen. Der Befehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan, Stanley McChristal, wird in wenigen Tagen einen neuen Bericht vorlegen. Es wird erwartet, dass er noch mal 17.000 Truppen für Afghanistan anfordert wird. Obama wird sie ihm nicht verwehren, zu sehr hat diesen Krieg zu seinem eigenen gemacht . Der US–Präsident wird sich also weiter in einen Sumpf hineinbegeben, in dem er zu versinken droht. Auch Zeitschriften, die den Krieg befürworten, sehen inzwischen Parallelen zum Vietnamkrieg.

Das betrifft auch die Deutschen. Die Forderung nach mehr Truppen soll Berlin schon erreicht haben – noch ist Wahlkampf, und wollen die Parteien nicht über Afghanistan reden. Doch nach geschlagener Wahl wird es ernst. Deutschland wird endlich darüber diskutieren müssen, was es in Afghanistan eigentlich erreichen will und kann.

Einen zentralen Baustein in der Afghanistanstrategie des Westens nimmt der Aufbau einer schlagkräftigen Armee (Afghan National Army; ANA) ein. Das gezeigte Bild stammt von einem Truppenübungsplatz der ANA im zentralen Hochland.

Der Westen stößt in Afghanistan an seine Grenzen: Militärisch, politisch und kulturell. Er sollte seine Truppen abziehen….weiterlesen bei Zeit online

Die Bundesregierung möchte über Afghanistan am liebsten gar nicht reden, doch das Thema kocht hoch. Immer offener wird über einer Rückzug der Nato aus Afghanistan debattiert. Dabei entbrennt eine Debatte über die Menschenrechte.  Der Erfolgsautor David Maria Precht meint : „Der Kampf für die Menschenrechte ist die Blaue Blume der linken Romantik“die Blaue Blume der linken Romantik“. Die Schriftstellerin, Tanja Dückers, hält dagegen:  Menschenrechte sind keine Ansichtssache. Sie sind universell“

Über Menschenrechte und Afghanistan hat sich bereits Mortirmer Durand, der sich 1893 nach Kabul aufmachte, Gedanken machen müssen. Die britische Regierung gab ihm dem Auftrag, neben vielen anderen Dingen,mit dem Emir Abdurrahman auch über die Besorgnis erregende Lage der Menschenrechte in Afghanistan zu sprechen. Abdurrahman galt als ein ebenso erfolgreicher wie barbarischer Herrscher.

In seinem Abschlussbericht an die britischer Regierung schreibt Durand: „In the matter of his barbarities he is unapproachable. He says the Afghans are not Englishmen, which ist quite true, and that he must make examples or he will have disorder all over the country. He regards any remonstrance on this subject as an interference with his internal affairs, and resents them accordingly. Nevertheless, I find he has been more careful of late years (…) He knows what our views are, an probably pays some attention to them, but he will make no promises“

Dazu eine afghanische Innenansicht:

Metzger Bamyian

Zwei Metzger in Bamiyan @Ladurner Ulrich, Bamiyan, 2007

Afghanische Soldaten wie diese werden in Afghanistan für die selbsttragende Sicherheit sorgen:

Soldat1

Wachsoldat vor dem Haus des Gouverneurs von Uruzgan @Ulrich Ladurner, Tarin Kowt, Juli 2007

Immer wieder und immer drängender stellt sich die Frage, wie lange die Nato mit ihren Soldaten in Afghanistan bleiben sollen. 40 Jahre – das ist bisher der Rekord unter den vielen Schätzungen zur Dauer des Afghanistaneinsatzes. Keine deutscher Politiker will sich auf eine Jahreszahl einlassen. Die Kanzlerin spricht gebetsmühlenartig von selbstragender Sicherheit in Afghanistan. Mit anderen Worten: Wenn Afghanistan einmal über eine effiziente Polizei und eine schlagkräftige Armee verfügen wird, dann könnte man abziehen. Wann das sein wird? Darauf gibt es keine Antwort.

Über die Qualität afghanischer Soldaten schrieb Mortimer Durand 1893, der das Land besuchte: „It need hardly be said that, from an Englisch point of view, Afghan troops are not smart. If you speak to an officer, the men within hearing will freely join in the conversation. When escorting you along the road, men will fall out as they please to chat with a friend or to say their prayers. A guard, if taken by surprise, would often turn out and present arms with their rifles still in their covers. The sentries would fall into various easy and picturesque attitudes, putting down their rifles, if it was cold, to warm their hands over a fire, or, in the Jalalabad valley when the sun was hot, slinging rifles over their backs and opening an umbrealls. Nevertheless, the Afghan troops, so far as I could judge, seemed to be very good material: they are strong an healthy, and I should say capable of enduring great privations“ (zitiert aus. Sir H.M- Durand, to W. J. Cunningham, Foreign Departmenet, Calcutta, the 20th December 1893)

zur Illustration der vom imperialen Dukuts getragenen Beschreibung Durands:

Parlamentswache

Parlamentswache in Kabul @Ulrich Ladurner, Kabul, Juli 2006

Soldat auf dem Weg nach Bamiyan

Checkpoint auf dem Weg nach Bamiyan@Ladurner Urlich, Bamiyan Juli, 2006

Die Wahlergebnisse der afghanischen Präsidentenwahlen sind noch nicht bekannt, und schon reklamieren die beiden Kontrahenten Hamid Karzai und Abdullah Abdullah den Wahlsieg für sich. Die Unabhängige Wahlkommission bemüht sich darum, die Streithähne zur Vernunft zu bringen. Erst am Dienstag werde eine vorläufiges Ergebnis vorliegen, sagt der stellvertretende Leiter der Wahlkommission. Doch das beruhigt die Gemüter nicht.

Die Auseinandersetzung zwischen Karzai und Abdullah ist ein böses Omen. Denn es könnte zu einem Machtkampf entlang ethnischer Linien kommen. Karzai ist Paschtune, Abdullah ist Tadschike und war eng mit dem tadschikischen Kriegsherren Shah Achmed Massud verbunden. (Abdullah wird als Tadschike solcher wahrgenommen, auch wenn sein Vater Paschtune war). Die Paschtunen und die Tadschiken haben sich während des afghanischen Bürgerkrieges bitter bekämpft. Ausserdem gilt Abdullah als Mann Indiens, was wieder um Pakistan beunruhigen und dazu verleiten dürfte, sich noch stärker in afghanische Angelegenheiten einzumischen. Damit läuft Afghanistan Gefahr, wieder in die neunziger Jahre zurückzufallen. Damals versank das Land in einen verheerenden Bürgerkrieg.

Ein Ergebnis davon kann man hier besichtigen.  

 

Friedhof afghanischer Flüchtlinge

Friedhof afghanischer Flüchtlinge im Camp Jelozai, Pakistan@Ulrich Ladurner, Jelozai, August 2009

Viel Zeit bleibt US–Präsident Barack Obama nicht, um den Krieg in Afghanistan einen Wende zu geben. Nach neuesten Umfragen ist zum ersten Mal eine Mehrheit der Amerikaner für einen Abzug der Truppen aus Afghanistan. Auch eine Mehrheit der Briten (52%) denkt inzwischen, man müsse sich aus Afghanistan zurückziehen. Die Briten sind die engsten Verbündeten der USA in Afghanistan. In Deutschland ist die öffentliche Meinung eindeutig für einen Rückzug. Und nach und nach bröckelt auch auf höchster politischer Ebene die bislang geschlossene Front der Befürworter des Krieges.

Ohne den Rückhalt in den Heimatländern ist der Krieg in Afghanistan nicht zu gewinnen. Und Barack Obama wird es noch bitter bereuen, dass er sich den Afghanistankrieg im Gegensatz zum Irakkrieg zu eigen gemacht hat.

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